
Anfangs November hat das Projekt Textilgeschichte einen wichtigen Meilenstein erreicht. Unter dem Titel «Verwoben und verstrickt: Ostschweizer Textilkaufleute und ihre globalen Netzwerke, 1750–1900» ist das Buch zum Projekt der Öffentlichkeit vorgestellt worden. Es erscheint als Band 163 in der Reihe «Thurgauer Beiträge zur Geschichte».
Das 400-seitige, reich illustrierte Buch ist in vier Teile gegliedert. Auf den Prolog zu den globalen Umständen der Baumwollindustrie im 18. Jahrhundert und ihrer Einführung in der Ostschweiz folgen drei Hauptteile: Orte – Stoffe – soziale Beziehungen. Der erste Hauptteil verfolgt die Ausbreitung des Textilhandels aus der Ostschweiz über verschiedene Länder, Grossregionen und Kontinente. Die Unterkapitel umfassen Frankreich, Italien, Amerika, Levante und Maghreb, Süd-, Südostasien und Ostasien sowie West-, Ost- und Südafrika. Der zweite Teil beleuchtet fünf ausgewählte Stoffe, die eine speziell wichtige Rolle für die Textilindustrie gespielt haben bzw. bestimmte Facetten speziell gut zum Vorschein bringen. Es sind dies die Mousseline, Ginghams, türkischrote Stoffe, Batiks sowie Kangas und African Prints. Der dritte Hauptteil zu den sozialen Beziehungen widmet sich in historischer Abfolge je einer Gruppe, die in einer bestimmten Phase die Netzwerke dominierte: die patrizischen Kaufmannsfamilien (1750–1820), die ländlichen Textilunternehmer (1820–1860) und die Exportkaufleute in Übersee (1840–1900).
Das Buch zeigt, wie global die ostschweizerische Textilindustrie bereits Mitte des 19. Jahrhunderts aufgestellt war. Wenn das auch nicht als neue Erkenntnis gelten kann, so bietet das Buch doch einen gut handhabbare Übersicht über die zahlreichen Exportdestinationen. Aufgedeckt wurde, dass einige Ostschweizer Exporteure in den 1830er/40er-Jahren eine Rolle im international bereits verbotenen Sklavenhandel gespielt haben, der in Brasilien noch bis 1852 anhielt. Diese Erkenntnisse präsentierte ich an einer akademischen Konferenz zu den Beziehungen der Schweiz mit Brasilien vergangenes Jahr in Lausanne und werde sie in einem Sammelband zur Konferenz publizieren. Sie sind auch in den von der St. Gallen in Auftrag gegebenen Forschungsbericht zum Thema Sklaverei und Kolonialismus eingeflossen (Peter Müller, St. Gallen, Sklaverei und Kolonialismus: ein Überblicks- und Forschungsbericht, St. Gallen 2026.) Die Studie konnte ausserdem zeigen, dass das Geschäftsmodell der Textilindustrie, das auf dem Kopieren von Mustern aus fernen Regionen beruhte, zu einer Vernachlässigung des Designs führte, was langfristig ihre Konkurrenzfähigkeit beeinträchtigte.