Eine Website zu den globalen Netzwerken der ostschweizerischen Textilindustrie

Das globale Netzwerk von Greuter & Rieter

Karte Handelsnetzwerk weltweit

Dass die Globalisierung in der Schweiz nicht erst gestern, sondern bereits vorvorgestern begonnen hat, ist ein zentrales Thema dieses Blogs. Dieser Artikel verdeutlicht dies anhand einer ersten Datenvisualisierung. Dabei geht es um die Geschäftskontakte der Firma Greuter & Rieter. Die Firma in Islikon bei Frauenfeld und mit einer grossen Zweigstelle in Guebwiller (Elsass)  gehörte zu den grössten Firmen der frühen Industrialisierung in der Schweiz.

In einer Publikation von Stefan Sigerist habe ich ein Photo des Hauptbuches dieser Firma entdeckt, was mich natürlich brennend interessierte, denn ein so grosser Player wie die Thurgauer Firma verfügte sicher auch über ein grosses Netzwerk. Glücklicherweise ist der Nachlass der Firma kürzlich an das Staatsarchiv des Kantons Thurgau gelangt. Das Hauptbuch allerdings war bei einer ersten Sichtung nicht vorhanden. (Unterdessen konnte Staatsarchivar André Salathé das fehlende Stück bergen.)

 

Hingegen fand ich ein Register zum Hauptbuch, in dem alle Geschäftskontakte nach Ort und Geschäftspartner aufgelistet sind. Insgesamt 1500 Adressen sind vermerkt, aus dem Jahr 1864, vermutlich jedoch schon früher begonnen. Die Daten sind etwas chaotisch, denn sie enthalten sämtliche Personen und Betriebe, über die Greuter & Rieter Buch geführt hat. Das umfasst die Ausgabenseite wie die Einnahmeseite, Gläubiger und die ganzen Anteilhaber. Wir finden also Lieferanten von allem, was für die Produktion nötig ist, wie Rohbaumwolle, Garne, rohe Stoffe, Färbmitteln etc.. Ebenso finden wir Dienstleister, welche den Verkauf ermöglichen, wie Transporteure und Finanzdienstleister. Die meisten dieser Lieferanten und Dienstleister sind in der näheren Umgebung von Islikon, in den grösseren Schweizer Städten oder in europäischen Handelsstätten zu finden. Deshalb liegt ein Schwerpunkt des Netzwerks in der näheren Umgebung der Fabriken in Islikon und Guebwiller.

Auf der anderen Seite stehen alle Handelshäuser und Agenten, welche die Waren von Greuter & Rieter verkaufen. Diese zeigen das Vertriebsnetzwerk der Firma. Natürlich kann nur das Hauptbuch darüber Aufschluss geben, ob es sich um einen Lieferanten oder einen Verkäufer handelt. Als nächster Schritt wird deshalb die Daten aus dem Hauptbuch an das Register angeschlossen.

Einige Dinge kann man allerdings schon aus dem Register lesen.

1) Die globale Reichweite des Netzwerke: Schon anfangs der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts haben Greuter & Rieter Geschäftskontakte auf allen Kontinenten. In Asien, Süd- und Nordamerika sind die Kontakte fast ausschliesslich mit Handelshäusern in grossen Hafenstädten.

 

2) Das feinmaschige Netz von Kontakten in Italien der Firma der Firma: In vielen Kleinstädten hat sie Kunden. Gegen 350 Kontakte sind es in Italien. Ähnliches, wenn auch weniger ausgeprägt, gilt für das Baltikum und Rumänien. Dies um Unterschied zu Österreich-Ungarn, wo Greuter & Rieter fast ausschliesslich in den Zentren wie Wien, Triest und Budapest vertreten ist.

3) Afrika fehlt fast völlig auf der Karte. Einzig in Algerien und in Ägypten hat Greuter & Rieter Agenten. Das muss nicht heissen, dass sie keine Stoffe in die Gebiete südlich der Sahara exportieren. Nur gehen diese dann wahrscheinlich über Hafen- und Handelsstädte wie Hamburg, Marseille, Paris, Rotterdam und Manchester.

Dies ein paar erste Schlüsse. Ich bin gespannt auf das Hauptbuch, um mehr Erkenntnisse über den Umfang und die Ziele des Handels von Gebrüder Greuter & Rieter zu gewinnen.

 

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