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Alter Verkehrsweg

Kommunikationsnetzwerk der Firma Luchsinger & Streiff in Italien

Die Korrespondenz der Firma Luchsinger & Streiff aus von 1815 bis Mitte der 1830er Jahre zeigt, wie wichtig der italienische Markt für die junge Stoffdruckerei aus Glarus war. Gleichzeitig zeigt sie, wie sich ihr Handelsnetzwerk entlang von sehr alten Verkehrswegen entwickelte.

Die napoleonischen Kriege hatten dem Textilhandel der Schweiz schwer zugesetzt. Doch auch nach Ende des Krieges hiess es nicht einfach Rückkehr zum Alten. Frankreich und Österreich hatten prohibitive Zollschranken eingerichtet, Preussen zog nach. Von den Nachbargebieten waren einzig der südliche Teil Deutschlands und vor allem Mittel- und Süditalien dem schweizerischen Handel um 1820 noch offen. So erstaunt es nicht, dass in dieser Periode viele Textilkaufleute sich auf den italienischen Markt verlegen, so auch das Handelshaus Luchsinger & Streiff aus Glarus. Die 1803 gegründete Firma war im Stoffdruck und Stoffhandel tätig, in den 1820ern insbesondere in Italien wie Adolf Jenny-Trümpy schreibt:

«Von 1817 an bereiste sodann der noch jugendliche Joh. Rudolf Streiff Oberitalien (Mailand, Reggio, Modena, Parma, Bologna etc.) und erzielte einen stets wachsenden Umsatz. Zur Erleichterung des Geschäftsverkehrs wurden in der Folge „Depositi“ in Glarner Druckwaren bei vertrauenswürdigen Kunden in Triest, Modena, Piacenza, Bologna und Livorno angelegt.»[1]Adolf Jenny-Trümpy (1900). Handel und Industrie des Kantons Glarus. Jahrbuch des Historischen Vereins des Kantons Glarus, Bd. 2, S. 306.

Folgt man nun auf einer Karte der Ausbreitung der Korrespondenten der Firma in den Jahren 1816-41, so zeichnet sich ein alter Verkehrsweg ab, der schon seit römischer Zeit besteht, nämlich die Via Aemiliana, die sich als lange gerade Achse zwischen Piacenza am Fluss Po und dem Hafen Ancona an der Adria spannt. Entlang dieser Achse entwickelten sich seit römischer Zeit verschiedenste Städte, die dank der Strasse, auch wenn manche Teile davon schon bald wieder verschwanden, aich entwickeln konnten. So verwundert es nicht, dass gerade diese Städte, die an der traditionellen Handelsroute lagen, auch Ziele von Waren aus der Schweiz waren. Trotzdem ist es faszinierend zu sehen, wie sich diese 2000 Jahre alte Verkehrsweg von Antike bis in die Frühmoderne und darüber hinaus halten konnte.

Referenzen

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1 Adolf Jenny-Trümpy (1900). Handel und Industrie des Kantons Glarus. Jahrbuch des Historischen Vereins des Kantons Glarus, Bd. 2, S. 306.
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